In zehn Jahren kann viel passieren: Die Jahre zwischen 20 und 30 Jahren sind prägend für unser selbstbestimmtes Leben – das sagen viele Psycholog:innen. Witzig also, dass es bei einer 10-Jahre-Abi-Reunion so scheint, als hätte sich niemand so richtig verändert. Die Klassenclowns von damals spaßen rum, der Jahrgangsbeste zeigt auf und stellt die schlaue Frage, die Kiffer verziehen sich “mal kurz” nach draußen, die gleichen Menschen wie früher versuchen, ein Bier mit aufs Schulgelände zu schmuggeln. “Das ist immer so”, sagt Schulleiterin Simone Hilgefort beim Rundgang. “Egal wie lang das Abitur her ist: Die Gruppendynamiken bleiben die gleichen.” Und doch: Früher war man nicht verheiratet, hatte noch keine Kinder. Mal wieder ein Beweis dafür, dass diese beiden Eigenschaften einen nicht unbedingt erwachsen machen – Gott sei Dank.

“So eine große Gruppe hatte ich lange nicht mehr bei einer Reunion”, sagt Frau Hilgefort und wir denken “bestimmt noch nie”. Um die 80 Menschen drängen sich zusammen und versuchen alle aufs Foto zu kommen. Mehr als die Hälfte der damals 120 Schüler:innen, die 2015 Abitur gemacht haben, sind gekommen. Damals waren es 62 Mädchen und 58 Jungen – nicht oft ist ein Jahrgang so ausgeglichen. Ob wir wohl der beste Jahrgang waren? “Die letzten zwei Jahrgänge, die Abi gemacht haben – 2024 und 2025 – die waren wirklich sehr besondere Jahrgänge“, sagt Frau Hilgefort und wir denken “nicht so besonders wie wir.”
Der Rundgang durch die Mensa, über den Schulhof, in die Aula, den Innenhof und schlussendlich in den Lieblingsraum der Schulleiterin “Chemie 2”, wird bei allen Jubiläums-Rundgängen ähnlich ablaufen: “Wow die Toiletten riechen noch 1 zu 1 gleich.” (obwohl sie regelmäßig saniert werden, wie Frau Hilgefort versichert); “Schau mal, solche Bilder mussten wir doch damals auch schon im Kunstunterricht malen.”; “Ah man muss also immer noch in den Pausen raus und darf nicht drinnen bleiben.” Es geht niemandem so wirklich darum, nochmal in die alten Abiturklausuren reinzuschauen, die nach 10 Jahren endlich rausgegeben werden dürfen. Sondern man will schauen: Wie geht es der alten Schule? Und es hat sich doch viel geändert: Bei uns hat es in der Aula noch keine Farbe von der Decke geregnet, es gab noch keinen Innenhof für die Oberstufe, IPads für die Schüler:innen oder einen 3D-Drucker. Dann also doch: In zehn Jahren kann viel passieren.